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Aktuelle Texte
Keine Karteikarte
Hot Dog und Cola
112 die Feuerwehr
Ein Schildbürger
D-Mark vs. Euro
Krank geschrieben
Beim Orthopäden

Zwei Beiträge von Julia. 1.Mai 2011
Vielen Dank Mausi.


Keine Karteikarte

A: „das macht 20€.“
B: „Äh, warum so viel? Ich dachte 10€?“
A: „Das liegt wohl daran, dass du nicht Mitglied bist, für Mitglieder ist es billiger.“
B: „Aber ich hatte doch im Mai oder Juni einen Antrag gestellt, dem auch zugestimmt wurde.“
A: „In meinem elektronischen Mitgliederverzeichnis bist du nicht erfasst, sorry.“
B: „Aber ich bin mir sicher, wir können ja mal im Vorstandprotokoll nachschauen.“
A: „Das ist nicht nötig, wärst du Mitglied dann wärst du erfasst.“
B: „Aber ich bin mir wirklich sicher, lass uns doch nachschauen.“
A: (leicht genervt) „Also ich kann ja mal in der Mitgliederliste schauen, die uns die Zentrale übermittelt hat. Da stehen alle Mitglieder drin.“
B: „Mach das.“
A: „Aha, siehste, du stehst nicht drauf, also bist du kein Mitglied.“
B: „Und wenn wir doch im Protokoll nachschauen?“
A: (genervt) „Also wir führen neben dem elektronischen Verzeichnis auch Karteikarten, da schau ich mal nach…. Siehste du hast keine Karteikarte, also bist du kein Mitglied.“
B: „Aber wenn ich es doch sage, ich habe einen Antrag gestellt, dem auch zugestimmt wurde, ich war in der Sitzung doch selber dabei. Wo ist denn das Protokoll, ich schau auch schnell selber nach.?!“
A: „Das brauchen wir nicht, wie gesagt, wärst du Mitglied dann hättest du eine Karteikarte.“
B: „Das kann nicht sein.“
A: (sehr genervt) „Wir legen alle Mitgliedschaftsanträge in einen Ordner ab, dann muss ich eben da noch mal nachschauen, aber ich mach dir nicht viel Hoffnung… du hast keine Karteikarte!“
B: „Ja bitte, schau nach.“
A: (kleinlaut) „Oh tatsächlich, hier ist ein Antrag vom 03.06.“
B: „Sag ich doch.“
A: „Hmm… Wie ist denn das passiert? Da muss wohl die Kollegin geschlampt haben.“
B: „Aha, die Kollegin.“
A: „Wenn das so ist, dann macht das 10€.“


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Manchmal geht’s ums Prinzip

Neulich war ich in einem namhaften schwedischen Möbelhaus einkaufen. Zur Belohnung sollte es noch einen kleinen Snack geben. Einen Hot Dog und eine Cola gibt es hier für das sensationelle Angebot von 1€. An der Kasse dann:
A: „Einen Hot Dog bitte.“
B: „1€ bitte.“
A: „Und die Cola?“
B: „Sie haben nur einen Hot Dog bestellt.“
A: „OK, verstehe, Entschuldigung. Und eine Cola bitte.“
B: „Dann macht das 2€.“
A: „Aber ein Hot Dog und eine Cola kosten doch nur 1€?“
B: „Aber sie haben 1 Hot Dog und 1 Cola separat geordert.“
A: „Da haben wir uns missverstanden, ich möchte gerne das Angebot für 1€.“
B: „Jetzt habe ich aber schon separat gebont.“
A: „Ist doch nicht so schlimm oder? Geben sie mir einfach den Trinkbecher, ob Hot Dog alleine oder mit Cola zusammen kostet ja eh das gleiche.“
B: „Das geht nicht, sie hätten gleich beides zusammen bestellen müssen.“
A: „Also bekomme ich jetzt nicht das Angebot?“
B: „Nein.“
A: „Dann möchte ich beides nicht.“
B: „Dann muss ich einen Storno machen.“
A: „Ja bitte.“
B: „KASSE 1 STORNO BITTE! So hier haben sie ihren Euro zurück.“
A: „Danke, dann hätte ich jetzt gerne einen Hot Dog und eine Cola für das Angebot von 1 Euro, bitte.“
B: „Das ist ja jetzt albern von ihnen.“
A: „Das hätten wir einfacher haben können.“
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Zur Aufwertung dieser Rubrik und weil ich momentan nicht soviel Zeit für eigene Texte habe, hier nun zwei Werke aus der Feder meines alten Freundes M.Krüger. Sie erschienen im Jahre 2005 als Newsletter auf der Homepage seines Arbeitgebers. Da der Newsletter so nicht mehr existiert, habe ich seine Werke hier gerettet.


112 oder die Neuordnung der Feuerwehr

Aufgeregt ruft Herr Müller bei der Feuerwehr an

F: (betont freundlich) Hier ist die Berliner Feuerwehr. Mein Name ist Brandmeister Hilbert. Was kann ich für Sie tun?
M: (sehr aufgeregt) Hier Müller, es brennt!
F: So, so. Haben Sie eine Kundennummer?
M: Wie, was ... Kundennummer? Es brennt!
F: Also, Neukunde. Dann haben Sie auch keine Fire-Card?
M: Was fürn Ding? Fire-Card?
F: Ja, Fire-Card. Mit der Fire-Card sparen Sie schon ab dem zweiten Brand runde 40 Prozent ...
M: (schreit) Hörensemal, es brennt. Mein Haus steht in Flammen. Alles brennt lichterloh ...
F: (weiter betont freundlich) Panik hilft uns jetzt nicht weiter. Wie heissen Sie bitte?
M: Müller. Siegfried Müller.
F: Mit ie?
M: Ja, mein Gott. Hinten und vorne mit ie. Aber so hören Sie doch: es brennt ...
F: Geburstag und Wohnort, bitte.
M: Giesebrechtstr. 12. Gestern hatte ich Geburstag.
F: Na dann, Herr Giesebrecht, nachträglich: Herzlichen Glückwunsch!
M: (genervt) Ich heisse Müller. Was ist nun? Kommen Sie jetzt?
F: Übernehmen Sie die Kosten?
M: Wie bitte? Was denn für Kosten?
F: Na, für das Löschen. Allerdings, ohne Fire-Card ...
M: Sie verstehen mich nicht. Ich sagte: ES BRENNT. Mein Haus brennt lichterloh!
F: Beruhigen Sie sich doch! Aber ohne Kostenübernahme ...
M: Das darf ja wohl nicht wahr sein! Also gut, ich übernehme die Kosten. Was kostet es denn?
F: Mhm ... ohne Fire-Card. Wie hoch ist denn ihr Haus? Also Stockwerke?
M: Freistehend. Es ist ein freistehendes Einfamilienhaus.
F: Mit Personenschaden?
M: Nein, nein ... meine Frau ist mit den Kindern ... Gottseidank ...
F: Na, da haben wir ja noch mal Glück gehabt, wie. Also kein NAW?
M: Herr Gott, Herr ...?
F: Hilbert.
M: ... Herr Hilbert. Was ist denn ein NAW?
F: NotArztWagen. NAW eben. Interne Abkürzung. Sie verstehen?
M: Mir ist das ziemlich einerlei. Kommen Sie sofort hierher ...Um Himmelswillen, das Dach ...
F: Sind noch andere Gebäude betroffen?
M: Nein. Nur mein Haus. Gerade ist das Dach heruntergekracht ...
F: Sie haben ja einen Glückstag heute, Herr Müller. Dann brauchen wir auch keinen Leiterwagen ...
M: (aufgebracht) Das ist mir scheissegal. Leiterwagen, NAW, Rotes Kreuz, THW ...
F: Wie hoch ist denn das Feuer momentan, so in Metern ...?
M: Tja, wie soll ich sagen ... Ich kann so schlecht schätzen, sagt meine Frau auch immer ...
F: Na, dann will ich mal behilflich sein, auch ohne Fire-Card. Schlagen noch Flammen aus dem Dach?
M: Öh, nee. Aber es qualmt ziemlich heftig. In der Küche, also was mal die Küche ... da sind schon noch Flammen ...
F: Gut. Dann würde ich vorschlagen, wir schicken einen Wagen, ohne Leitern. Einverstanden?
M: (brüllt) Ist mir doch egal. Nur tun Sie endlich was!
F: Wieviel Mann Besatzung wünschen Sie?
M: Das ist doch völlig wurscht ...
F: Gut. Also Standardausrüstung. Vier Mann, ein Feuerwehrwagen ohne Leiter ... Moment ... ich habs gleich
M: Was haben Sie gleich?
F: Na, den Preis. Also, das macht dann zusammen - ohne Fire-Card - 111.250,00.
M: Wie viel?
F: 111.250,00 Euro zuzüglich Wasser.
M: Das ist doch nicht ihr Ernst, oder?
F: Ach, ich seh´gerade ... Kleiner Fehler ... na ja, die neue Software. Sie haben ja BEF/OP und nicht BHH/MP ... Momentchen, noch. So, da haben wir´s: 1540,00 zuzüglich Wasser.
M: Mit Mehrwertsteuer?
F: Ich bitte Sie, Herr Giesebrecht, selbstverständlich unterbreiten wir nur Endpreise ...
M: MÜller. Ich heisse Müller ...
F: 'tschuldigung. Sind Sie doch nicht so aufgeregt ...
M: (kreischt) Ich bin überhaupt nicht aufgeregt. BEF/OP, BHH/MP, mit Wasser, ohne Wasser ...
F: Brand Einfamilienhaus ohne Personenschaden. Eben BEF/OP. Natürlich haben Sie nicht BHH/MP, also Brand Hochhaus mit Personenschaden. Aber Wasser ist immer extra, tut mir leid.
Hätten Sie eine Fire-Card, da ist das Wasser ...
M: (flehend) Tun Sie doch endlich was!
F: Gut. Dann fahren wir jetzt los. Mit Blaulicht. Service für Erstkunden. (Lacht verlegen) Kostet sonst extra.
M: Kann man das von der Steuer absetzen?
F: Wissen Sie Herr Müller, ich bin Feuerwehrmann, am besten ist, Sie fragen da Ihren Steuerberater ...
M: Jetzt hat es aufgehört!
F: Was hat aufgehört?
M: Na, das Feuer. Es qualmt nur noch. Aber keine Flammen mehr ...
F: Möchten Sie stornieren?
M: Was stornieren?
F: Na, den Auftrag. In diesem Falle wären jedoch 10 Prozent Feuerrücktritts ...
M: Vergessen Sie´s. Ich habe gar kein Haus mehr. (Legt auf)
F: Herr Giesebrecht, hallo Herr Giesebrecht ...?

In diesem Sinne ... und bleiben Sie uns gewogen
herzlich
Ihr –mk

Datum: Samstag der 03.09.2005
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Ein Schildbürger [von M.Krüger, 1995]

Ein Schildbürger

Die Dymomatie ist eine bisher wenig bekannte Krankheit. Sie befällt den Patienten völlig unvorbereitet, und kommt völlig überraschend. Wie bei allen psychosomatischen Krankheiten ergreift sie vom Opfer Besitz, ohne dass dieser etwas dagegen tun könnte. Auf die Suchtgefahren für größere Bevölkerungsteile ist meiner Meinung nach noch nicht umfassend eingegangen worden. Schilder wie "Gib der Dymomatie keine Chance" fehlen gänzlich.

Bei mir brach die Krankheit durch ein kleines Beschriftungsproblem aus. Galt es doch, den verschiedenen Dosen für Zucker, Mehl und Salz ein ordentliches Aussehen zu bescheren. Alles was ich vorher probiert hatte, war unprofessionell und unpraktisch und konnte mich nicht begeistern. Selbst gemachte Schildchen mit Filzschreiber und Tesafilm lösten sich alsbald wieder von den Dosen und lagen im Schrank verstreut herum. Auch andere Beschriftungsversuche scheiterten kläglich.

Bis ich eines Tages jenen hervorragenden Apparat in die Hände bekam, der für die Herstellung kleiner Schildchen hervorragend geeignet schien. Dieses Gerät hatte eine kleine Tastatur, mit der ein - in vielen Farben - erhältliches Band den Wünschen des Beschriftenden gemäß beschriftet und ausgedruckt werden konnte. Dieses Gerät nannte sich: Dymomat.

Nach dem Durchlesen der Fünf Bändigen Bedienungsanleitung lag schon bald das erste selbst gemachte Etikett vor mir. SALZ stand darauf. Vertraut mit der Bedienung des Geräts folgten schnell noch die zwei fehlenden Schildchen ZUCKER und MEHL. Wunderbar, wie sie da in schöner Gleichmäßigkeit vor mir lagen. Gestochen scharf die Schrift. Korrekte Ausrichtung der Buchstaben. Keine zehn Minuten hatte ich für die Lösung meines Beschriftungsproblems gebraucht.

Einige Stunden später es ist nicht ganz einfach den Schutzstreifen vom selbstklebenden Etikett abzuziehen , klebten die neu erstellen Schildchen an den dafür vorgesehenen Dosen. Ein nie gekanntes Glücksgefühl durchströmte mich. Das Gerät schussbereit in den Händen, verweilte ich zufrieden vor meinem offenen Küchenschrank.
Da schlug die Krankheit grausam zu. Ein Schildchen mit dem Aufdruck TEE verließ den Auswurfschlitz des Dymomaten. Und in rascher Folge spuckte es HONIG, PFEFFER, MAJORAN, THYMIAN, TASSE, TELLER, UNTERTASSE aus. Schon erreichte die Sucht die unteren Schubladen und Fächer meines Küchenschrankes: LÖFFEL, GABEL, MESSER, TOPF, PFANNE … Der Dymomat warf Schildchen auf Schildchen aus seinem Inneren. Schon hatte ich mich dem Wohnzimmer zugewandt. Nunmehr, schon etwas fiebrig, tippte ich wie in Trance: SCHRANK, REGAL, FERNSEHER bis schliesslich die Krankheit völlig zum Ausbruch kam.
Meine CD Sammlung erhielt Aufkleber wie: PINK FLOYD THE WALL oder BEETHOVEN NEUNTE SYMPHONIE. Ich werde zu einer Selbsthilfegruppe gehen müssen, dachte ich noch, während der Dymomat weiterhin kleine Schildchen von sich gab: BÜGEL, SCHUHANZIEHER, SPIEGEL. Schon etwas kurzatmig erreichte ich das Schlafzimmer und produzierte in schneller Folge Schildchen mit den Namen: LINKE SOCKE, RECHTE SOCKE, HEMD(ROT), HEMD (GRÜN), HOSE, JACKE ...

Plötzlich versiegte die Flut der Schilder. Das Rauschmittel Beschriftungsband war am Ende, was der Dymomat mit hektischem Blinken quittierte. Hier nun erreichte die Krankheit ihren Höhepunkt. Wie ein Süchtiger nach Stoff, machte ich mich sofort auf den Weg, neue Bänder zu besorgen. Natürlich legte ich den Dymomaten dabei nicht aus der Hand. LENKRAD, LICHT, HUPE, RADIO waren die ersten Schildchen nach dem Erwerb der im Kaufhaus noch vorhandenen 72 Bänder. Unnötig zu erwähnen, dass jetzt auf dem Verkäufer das Schild VERKÄUFER klebt. Er nahm es gelassen hin. Ich glaube, er hatte Verständnis für mein Leiden.

Wenn Sie mich einmal besuchen kommen, wundern Sie sich nicht. Folgen Sie einfach den Schildchen auf der Strasse und an den Bäumen: KIRCHE, LATERNE, HAUSTÜR, BRIEFKASTEN, AUFFAHRT, GARTEN, TÜR, KLINGEL...als kleines Gastgeschenk bieten sich Dymomat Beschriftungsbänder an.

Und in der nächsten Ausgabe: Hilfe, ich habe fünf Rollen doppelseitiges Klebeband.

In diesem Sinne ... und bleiben Sie uns gewogen
herzlich
Ihr –mk
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D-Mark vs. Euro [von M.Krüger]

Man solle, so wird gesagt, neues Geld nicht in altes Geld umrechnen. Dies erinnert doch sehr an die Aufforderung in Verträgen, nicht das Kleingedruckte zu lesen: es ist nicht gut für die Augen. Überhaupt: ich verstehe die ganze Panik um den Euro nicht. Habe ich früher für meine wöchentlich benötigten Lebensmittel 30,00 DM bezahlt, so zahle ich heute dafür 30,00 Euro; für mich hat sich also nichts geändert, sofern ich mit der ewigen Umrechnerei aufhöre. Alles andere ist nur gefühlt teurer geworden; ist, wie man beim Wetter sagt, gewünschelt.

Was ist allerdings aus den alten und schönen Redensarten rund ums Geld geworden? Ist nun der, der den Cent nicht ehrt, den Euro nicht wert? Wo sind die schönen - meist der Gauner-Sprache entnommenen – Begriffe geblieben? Klar, bei den Bettlern und Schnorrern hat längst der Euro Einzug gehalten: „HastemalnenEuro?“ hat das alte „HastemalneMark?“ abgelöst und damit für eine Verteuerung mildtätiger Gaben um rund 100 Prozent …, aber wir sollen ja nicht umrechnen.

Weg sind auch: das Pfund (20 Mark), der Heiermann (fünf Mark), die Pinne (eine Mark), der Zwickel (zwei Mark) und natürlich der Groschen und der Sechser, der eigentlich ja ein Fünfer war, weil …aber das ist eine ganz andere Geschichte. Gänzlich verschwunden auch die Mille oder der Riese (Eintausend Mark) und der Blaue (Einhundert Mark), der hier und da auch Kilo hiess.

„Für 30-Pfennig Kuchenkrümel, bitte“, haben wir früher gesagt oder „Für’n Groschen Brause“. Vorbei. Aus. Nichts geht mehr. Een Jroschen kosteten früher auch die langen Schaumgummiwaffeln und der Negerkuss, der so ja auch nicht mehr genannt werden darf. Aber nicht nur der Wegfall altbekannter monetärer Begriffe ist zu beklagen; auch Gewicht und Haltbarkeit unserer Euros können mit der alten Mark nicht mithalten. Hartgeld war früher schon in der Hosentasche ertastbar. Man konnte erfühlen ob es sich um eine, zwei oder fünf Mark handelte. Wenn Sie heute hingegen eine handvoll Kleingeld mit sich führen, hängt die Hosentasche bis in die Kniekehlen und keine noch so geübte Hand ist in der Lage, auf Grund haptischer Berührungen festzustellen, welche Scheidemünzen sich in der Hosentasche verborgen halten. Im Gegenteil: selbst in Augenschein genommen, muss man jede Münze hin- und herdrehen, um herauszufinden, welchen Wert sie hat.

Und waschbar waren die Scheine. Unglaublich. Selbst eine 60-Grad-Persil-Wäsche nebst Schleudergang konnte den Scheinen nichts anhaben. So fand sich hier und da in Hemd- oder Hosentasche nach erfolgter Reinigung noch manche pekuniäre Überraschung längst verloren geglaubter Barschaften. Heute müssen wir vor dem Waschen sorgfältig alle Taschen entleeren; einen Vollwaschgang überstehen die Europäischen Scheine zumeist nicht und nur blasse Krümel lassen erahnen, dass es sich hier einst um Geldscheine gehandelt hat. Sic transit gloria mundi.

Was bleibt als Fazit? Wir haben neues Geld, das schwergewichtig Taschen und Geldbörsen ausbeult, nur mit Mühe erkennbar und so fälschungssicher ist, dass man froh ist, wenn man seine Scheine endlich wieder los wird, ohne mit der Polizei in Berührung gekommen zu sein. Wahrscheinlich werden demnächst amerikanische Begriffe wie Quarter, Dime und Nickel bei uns Einzug halten und die alten Begriffe rund um die D-Mark ablösen. Und schließlich bleibt noch die Erkenntnis, dass zwar nichts teurer geworden ist, sondern wir nur unseren Lohn bzw. unsere Rente halbiert bekamen.

Ich habe nichts gegen den Euro. Aber: das Verständigungsmittel der Wirtschaft ist das Geld; das Verständigungsmittel der Menschen ist die Sprache. Ich hätte mir eine gemeinsame Sprache gewünscht. Das hätte Bestand gehabt. Über alle Grenzen hinweg. So aber haben wir eine Währung, die so recht keiner will oder wollte. Und das – da braucht man kein Prophet zu sein -, wird nicht von Dauer sein.


In diesem Sinne ... und bleiben Sie uns gewogen
herzlich
Ihr –mk

19.11.05


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Krank geschrieben!

Den Umzugswagen für Julias Umzug zu fahren und zu bezahlen war natürlich Ehrensache.
Die schwersten Schrankteile zu schnappen und damit die Treppen auf und ab zu laufen kann man im Nachhinein nur als Dummheit bezeichnen. Um die Sache perfekt zu machen konnte ich mir nicht verkneifen am nächsten Tag den Apfelbaum zu beschneiden.
Es kam, wie es kommen musste.
Das anfängliche Kribbeln im linken Bein wuchs sich zu ansteigenden Schmerzen von der linken Hüfte, über den Oberschenkel bis zum Knie aus.
Zwei Wochen, zwei Spritzen, 6 Tage Diclofenac-Schmerztabletten, zwei Tage Dienstreise später : Krankschreibung für zwei Wochen.
Gehen, Stehen, Liegen erzeugt schon nach kurzer Zeit heftige Schmerzen, woraus folgt : Sitzen ist mit Abstand die angenehmste Tätigkeit.
Endlich mal wieder Zeit an der Homepage herumzubasteln.

14.11.05


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Beim Orthopäden.

Ich gehe heute nicht zur Arbeit, sondern zum Orthopäden!
Die haben alles da. Eine riesige Gemeinschaftspraxis.
Behandlungszimmer von A bis F, kleine Separées von E1 bis E7, in denen sich der Patient mit Akupunkturnadeln stechen, mit Mikrowellen rösten oder mit Hydrojetstrahlen massieren lassen kann.
Am Counter nimmt eine ziemlich gestresste, jedoch um Sachlichkeit bemühte Sprechstundenhilfe meine Daten auf. Ich soll Platz nehmen, werde aufgerufen. Auf meine zaghafte Frage, wie lange es denn dauern könne, ich hätte noch nicht gefrühstückt, würde gern noch mal kurz die Praxis verlassen, ernte ich ein "Äh, Pfft" und Achselzucken. "Okay, okay, ich bleibe, war ja nur ´ne Frage."
Ich finde noch einen Platz im Wartebereich und freue mich auf die vielen Illustrierten, die ich nun studieren darf. Hoffentlich komme ich nicht zu schnell dran. In regelmäßigen Abständen werden Patienten aufgefordert in ein Behandlungszimmer zu gehen, davor Platz zu nehmen, oder nach dem Nächsten, der herauskommt einzutreten. Dennoch gelingt es den vielen Sprechstundenhilfen nicht den Wartebereich leerzuräumen. Der Patientennachschub ist einfach zu gewaltig.
Nach zwei Stunden sind alle Gesichter, die vor mir gekommen waren verschwunden und es gibt nur noch Leute, die kommen und aufgerufen werden und wieder gehen. Bei den Illustrierten bin ich inzwischen bei "Brigitte" und "Das Neue Blatt" angelangt. Bevor sich meine bis dahin gute Laune ganz verflüchtigt, trete ich an den Counter. "Entschuldigung, können Sie mal schauen, wie viele noch vor mir dran sind ? Sie wissen ja, ich habe noch nicht gefrühstückt...".
"Wer sind Sie denn ? Bei welchem Arzt sind Sie denn in Behandlung ?"
"Äh, Pfft, Gliese, Ge-el-i-e-es-e, Rainer mit ai, Arzt ? Keine Ahnung bin zum ersten Mal hier."
Die Sprechstundenhilfe schaut stirnrunzelnd in den Computer. "Setzen sie sich mal vor Behandlungszimmer C, wenn da jemand rauskommt gehen sie rein."
Ich bin erstaunt, "Gut, dass ich gefragt habe, wa ?". "Wir hätten Sie schon aufgerufen", bekomme ich zur Antwort und kann mir nicht verkneifen zu bemerken: "schwindeln sie doch nicht." Ich bemühe mich allerdings dabei möglichst lustig zu wirken.
Nachdem ich vor Behandlungszimmer C die "Freundin" ausgelesen und danach noch eine Viertelstunde gewartet habe, bin ich schon dran. Nach einer weiteren Viertelstunde des Wartens in Zimmer C kommt der Arzt. In fünf Minuten (großzügig geschätzt) versucht er einen eventuell verschobenen Wirbel einzurenken, schlägt Akupunktur und Hydrojet als Behandlung vor und schickt mich zum Röntgen.
Beim Röntgen geht´s schnell, ich werde bestrahlt. "Nich mehr als beim Fluch inn´Urlaub", versichert die Bedienerin des Röntgenaparates.
Mit den Bildern in der Hand warte ich erneut darauf aufgerufen zu werden. Nach weiteren zwei Stunden geduldigen Wartens kenne ich von allen fünf Sprechstundenhilfen die Form und ungefähre Farbe ihrer Slips, die sich je nach Bewegungszustand (Bücken, Gehen, Stehen) mehr oder weniger deutlich unter ihren weißen Praxishosen abzeichnen. Die Oberbekleidung ist leider ein völlig blickdichtes grünes T-Shirt.
Ich begebe mich erneut zum Counter. "Entschuldigung, ich wollt nur noch einmal den Arzt die Röntgenbilder anschauen lassen, aber wenn das sehr lange dauert, kann ich damit auch zu meinem Hausarzt gehen."
"Wer sind Sie denn ? Bei welchem Arzt sind Sie denn in Behandlung ?"
"Äh, Pfft, Gliese, Ge-el-i-e-es-e, Rainer mit ai, Arzt ? Ich habe mir den Namen nicht gemerkt."
Ein prüfender Blick in den Computer. "Der Arzt, der sie behandelt hat ist nicht mehr da..."
Ich denke, es wäre Zeit zu gehen, mache jedoch noch einen letzten Versuch, "ist noch einer von den sieben anderen Ärzten da ? Lassen sie mich zu einem anderen, Arzt ist Arzt."
"Okay, dann gehen sie mal ins Behandlungszimmer E, der Arzt kommt gleich zu ihnen."
"Gut, dass ich gefragt habe!" und so weiter.
Plötzlich geht alles Schlag auf Schlag. Die Röntgenbilder sind soweit unauffällig, außer, das das Becken etwas schief steht, da sollte man mal eine 3D-Körperstatikmessung machen. Kostet nicht viel mehr als 75 Euro, dann gibt´s ein paar prima Einlagen für 50 Euro undsoweiter. Akupunktur für 35 Euro lehne ich höflich ab, den stabilisierenden Bauchgürtel für 10 Euro nehme ich.
Damit es nicht so aussieht, als wäre ich geizig oder minderbemittelt oder so, nehme ich höflichkeitshalber noch fünf Hydrojetmassagen für 35 Euro.
Zack - schon bin ich nach nicht mal sechs Stunden wieder draussen.

p.s. Da bis jetzt nichts geholfen hat wird sich die Geschichte wohl noch fortsetzen.

07.11.05

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